1. Kinderkrankenpflege in der Krise

Momentan steht in Deutschland weniger als ein Bett pro Intensivstation für kritisch kranke Kinder zur Verfügung. Das geht aus einer Umfrage der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin hervor. Außerdem sind nur 60% der verfügbaren Betten belegbar. Hauptursachen hierfür sind der Mangel an qualifizierten Pflegekräften und ärztlichem Personal. Hinzu kommt die aktuelle Infektionswelle. Mehrere Kliniken müssen daher die kleinen Patienten ablehnen und es kommt zu massiven Versorgungsengpässen. Michael Sasse, Leitender Oberarzt der Kinder-Intensivmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover kommt zu einem traurigen Fazit und sagt: „Die Situation ist so prekär, dass man wirklich sagen muss: Kinder sterben, weil wir sie nicht mehr versorgen können.“ Auch Christine Vogler vom Deutschen Pflegerat äußerte sich in einer Stellungnahme dazu. Sie sagt, die Arbeitsbedingungen in der Kinder-Intensivmedizin müssten dringend verbessert werden, um zumindest mittelfristig die katastrophale Versorgung zu verbessern. Falsch findet sie, Personal aus den Erwachsenenbereichen in die Kinderstationen zu verschieben und die Personaluntergrenzen auszusetzen. Außerdem schlägt Vogler vor, kurzfristig Sanitäter der Bundeswehr oder Rettungsdienste einzusetzen. 

Quelle: deutscher-pflegerat.de
Quelle: aerzteblatt.de

2. Krankenhauspflegeentlastunggesetz nun endgültig verabschiedet

Nach langem hin und her wurde letzte Woche Freitag nun endgültig das neue Krankenhauspflegeentlastungsgesetz vom Bundestag verabschiedet. SPD, Grüne und FDP stimmten dafür während Union und Linke dagegen waren. Die AfD enthielt sich. Die Bundesregierung hält dieses Gesetz für eine große Krankenhausreform und spricht von Änderungen und Nachbesserungen im Gesundheitswesen. „Die Revolution beginnt mit dem heutigen Gesetz“, so Gesundheitsminister Karl Lauterbach. Hauptsächlich beinhaltet das Gesetz folgende Punkte: die Einführung der PPR 2.0 ab dem 1. Januar 2023, Stärkung der Krankenhaustagesbehandlung und spezielle sektorengleiche Vergütung, Förderung für Geburtshilfe und Pädiatrie, sichere Hebammenversorgung, und Stärkung der digitalen Gesundheitsversorgung. Der Deutsche Pflegerat begrüßt das neue Gesetz und sagt, es sei auf dem besten Wege, die Arbeitsbedingungen der beruflichen Pflege zu verbessern. Die notwendige Zustimmung des Finanzministeriums und des Bundesrates bei der Personalausstattung wird weiter kritisch gesehen. Auch der Bundesverband Pflegemanagement zeigt sich überwiegend positiv eingestellt, bemängelt aber, dass die PPR 2.0 noch Weiterentwicklungspotenzial habe. 

Quelle:bundesgesundheitsministerium.de
Quelle:aezrteblatt.de
Quelle: dkgev.de

3. Steigende Löhne im Vergleich zum Vorjahr 

Eine bundesweite Auswertung der AOK hat ergeben, dass die durchschnittlichen Stundenlöhne in den tarifgebundenen Pflegeeinrichtungen im Vergleich zum vergangenen Jahr um 2,36 Prozent auf 20,37 € gestiegen sind. Diese Daten gehen auf alle Pflegeeinrichtungen zurück, die an einen Tarif oder an eine kirchliche Arbeitsrechtsregelung gebunden sind. Miteinbezogen sind die Löhne für Hilfspersonal, Pflegeassistenzpersonal mit einjähriger Ausbildung und Fachpersonal mit dreijähriger Ausbildung. Die Berechnungen sind ab sofort im Gesundheitspartner-Portal der AOK abrufbar. AOK-Vorständin Reimann erklärt, dass die Daten die von der Politik eingeführten Regelungen zur Tariftreue in der Langzeitpflege und die Erhöhung des Pflegemindestlohns widerspiegeln. Weiter heißt es, dass angemessene Löhne die Attraktivität des Pflegeberufs sichern. Allerdings sei die Kehrseite der Medaille die steigenden Kosten, die momentan zu steigenden Eigenanteilen der Pflegebedürftigen und Angehörigen führen. Daher fordert die AOK neue Regelungen für Pflegeversicherungsleistungen und die Herausnahme der Ausbildungskosten aus den Eigenanteilen der Pflegebedürftigen. 

Quelle:aok-bv.de

4. Pflegeverbände fordern große Pflegereform

Die Initiative Pro-Pflegereform hat die Bundesregierung aufgefordert, die im Koalitionsvertrag angekündigte Pflegereform umzusetzen. Hintergründig sind die stark steigenden Kosten und die damit verbundenen steigenden Eigenanteile. Diese Kosten seien für die Bewohner:innen nicht mehr tragbar. Bernhard Schneider, Vertreter der Initiative, erklärt, dass sich die Eigenanteile in Häusern der Evangelischen Heimstiftung momentan im Durchschnitt auf 3250€ pro Monat belaufen, in der Spitze auf 3700€. Die Beiträge seien höher als der bundesweite Durchschnitt, da die Heimstiftung nach Tarif bezahle und einen hohen Personalschlüssel habe. Die Pro-Pflegereform Initiative fordert, dass Heimbewohner:inner in Zukunft nur noch einen gedeckelten Eigenanteil bezahlen. Die restlichen Kosten sollen die Pflegekassen übernehmen. Darüber hinaus wird eine sektorenübergreifende Betreuung von Pflegebedürftigen und eine Reform der Finanzierung der Pflegeversicherung gefordert. 

Quelle:aerzteblatt.de

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